Fernwanderweg E9: Ultraleicht von Ustka nach Gdańsk (Stolpmünde – Danzig)

Die Ostseeküste zwischen Ustka (ehemals Stolpmünde) und dem Ostende der Halbinsel Hel ist wohl der schönste Abschnitt vom Fernwanderweg E9 in Polen. Im Mai 2019 bin ich diese Strecke von etwa 200 Kilometern in 8 Etappen gewandert.

Die Anreise

Berlin – Szczecin

Die Anreise ab Berlin erfolgt unkompliziert mit der Bahn und dem Bus. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bietet ein günstiges Bahnticket für die Reise nach Szczecin (Stettin) an. In Szczecin angekommen sollte man vor der Weiterfahrt nach Słupsk zwei Dinge erledigen: Bargeld beschaffen und ein Zugticket nach Słupsk besorgen. Im Bahnhof stehen Geldautomaten verschiedener Anbieter. Es empfiehlt sich darauf zu achten, dass man eher zu viel als zu wenig Bargeld dabei hat. Besonders in der Nebensaison sind in den kleinen Küstenorten, durch die diese Wanderung führt keine Geldautomaten aufgestellt.

Szczecin – Słupsk

Der Fahrkartenautomat in Szczecin kann in deutscher Sprache bedient werden und akzeptiert zur Bezahlung alle gängigen Karten. Das Zugfahren ist in Polen wesentlich günstiger als in Deutschland. Die Abteile sind generell in einem sauberen Zustand und es gibt flächendeckend schnelles und kostenloses Internet per WLAN, auch in Nahverkehrszügen.

Słupsk – Ustka

Die letzten Kilometer von Słupsk nach Ustka legt man mit dem Linienbus zurück, der direkt gegenüber vom Bahnhof in Słupsk abfährt. Wer sich noch kein Kleingeld besorgt hat, sollte das vor der Abfahrt noch organisieren. Die Busfahrt kostet umgerechnet etwa 2,50 €, bezahlt wird im Bus beim Kassierer, welcher nach der Abfahrt zum Platz kommt und die Fahrkarten verkauft.

Die erste Nacht in Ustka

In Ustka bin ich auf den Campingplatz Albatros untergekommen. Wenn man kein Polnisch spricht, wird man dort auch auf Englisch bedient. Eine Nacht im Zelt kostet, je nachdem zu welcher Jahreszeit man reist und wie der jeweilige Platz ausgestattet ist, umgerechnet zwischen 5 € und 10 €.
Bei der Suche nach Zeltplätzen sollte man wissen, dass in Polen unter „Camping“ etwas anderes verstanden wird als in Deutschland. Wenn man in Polen nach „Camping“ fragt, wird einem die Anmietung einer kleinen Ferienhütte angeboten, die es entlang der Küste zu Zigtausenden gibt. Zeltplatz heißt auf Polnisch „pole namiotowe„.

Etappe von Ustka nach Rowy

Diese etwa 17 Kilometer lange Etappe wird oft direkt am sandigen Steilhang oberhalb des Strandes entlang geführt. Landschaft und Aussicht sind auf diesem Weg sehr schön, jedoch sollte man sich nicht zu sehr ablenken lassen. Die Küste verändert sich ständig und wo gestern noch ein fester Wanderweg war, könnte man heute schon auf einen brüchigen Überhang aus Sand treten.
Nach etwas mehr als halber Strecke leitet der gut ausgeschilderte Weg den Wanderer in das Örtchen Poddąbie, dass sich für eine Rast anbietet. Dort kann man einen kleinen Laden finden, in dem es Wasser und andere Lebensmittel zu kaufen gibt. Die Inhaberin spricht Englisch.
Hinter Poddąbie stehen die Chancen gut auf Gleitschirmflieger zu treffen, die sich, von den bis an die Düne reichenden Lichtungen im Kiefernwald, vom Wind über den endlos langen Sandstrand tragen lassen.
Rowy ist ein kleines Fischerdorf, das mehr und mehr vom Tourismus abhängt. Zu empfehlen ist ein Spaziergang entlang der Strandpromenade und der Mündung der Łupawa, zum kleinen und schönen Fischreihafen.
Ich bin in Rowy günstig auf dem Campingplatz „Navigator“ untergekommen.

Der E9 ist hier mit einem roten Balken auf weißem Spiegel markiert. Später mit einem blauen Balken.

Etappe von Rowy nach Kluki

Der E9 führt von Rowy aus durch den Słowiński National Park und entlang des unbefestigten Strandes nach Łeba. Ich bin auf diesem Stück von der Route abgewichen und habe einen Zwischenhalt im etwas südlich gelegenen Kluki gemacht. Zu Beginn dieser etwa 26 Kilometer langen Etappe betritt man den Słowiński National Park. Der Eintritt kostet in der Regel etwa 1,50 €. Als ich am frühen Morgen dort ankam waren die Kassen jedoch noch geschlossen. Der Słowiński National Park ist ein streng geschütztes Naturreservat. Das Verlassen der Wege ist untersagt.
Kluki ist der letzte Ort in dem die Slowinzische Sprache gesprochen wurde, nach welcher der Nationalpark benannt ist. Ein großer Teil des Dorfes ist heute ein Freilichtmuseum. Die kaschubischen Bauern- und Fischerhäuser aus Fachwerk können besichtigt werden. Außerdem lohnt sich ein Ausflug zum Łebsko (Lebasee), an dessen Ufer ein Aussichtsturm errichtet wurde.
In Kluki gibt es keinen Campingplatz, aber viele ansässige Familien bieten Gästezimmer und Wohnungen an. Ich bin für umgerechnet etwa 25 € in einer gut ausgestatteten Ferienwohnung abgestiegen. In Kluki gibt es auch keinen Laden. Proviant für den nächsten Tag muss bereits in Łokciowe besorgt werden!

Fachwerkhäuser des Freilichtmuseums in Kluki.

Etappe von Kluki nach Łeba

Hinter Kluki geht es wieder in einen anderen Teil des Nationalparks. Obwohl mir von meiner Gastgeberin davon abgeraten wurde die ausgeschilderte Route zu nehmen, habe ich die Warnungen ignoriert und bin direkt durch das Feuchtgebiet gelaufen. Im Nationalpark haben die Ideen von Bibern mehr Gewicht als die Ideen von Wanderern. Die einheimischen Biber hatten nun die Idee, dass sich die Wasseroberfläche oberhalb meinen Pfades befinden sollte. Auch die anderen Wildtiere schienen nicht mit meinem Besuch gerechnet zu haben. Ich war sehr erfreut, als ich feststellte, dass die Wildschweinfamilie, welche plötzlich vor mir stand, mehr Respekt vor mir hatte, als ich vor ihr. Im Mai sollte man solche Begegnungen wohl besser vermeiden – vor allem, wenn man bis zum Schienbein im Sumpf steckt.
Von den 25 Kilometern die diese Etappe lang ist, waren diese ersten 6 Kilometer durch das Feuchtgebiet die mit Abstand aufregendsten. Danach geht es weiter auf sehr befestigten Wegen durch Lisia Góra, Izbica (wo es einen kleinen Laden gibt) und Żarnowska nach Łeba. In Łeba gibt es eine Reihe von Campingplätzen. Ich habe mein Zelt auf dem Camping nr 145 „Rafael“ direkt am Fluss abstellen dürfen.

Sumpfdotterblumen in den Sumpfwiesen hinter Kluki.

Etappe von Łeba nach Osetnik

Wenn man in Łeba ist, muss man die großen Wanderdünen besuchen. Damit habe ich den Tag bis zum Mittag auch verbracht. Kleine Elektrofahrzeuge fahren die Besucher bis an die Dünen heran. Wer früh ankommt und vor den Schulklassen und Touristen dort ist, kann einen einzigartigen Blick auf die unverwechselbare Landschaft genießen.
Die 20 Kilometer nach Osetnik führen über Feld und Waldwege. In Osetnik gibt es einen Campingplatz. Der Inhaber war in der Vorsaison nur telefonisch zu erreichen. Einer seiner Freunde kam kurzerhand vorbei und stellte Wasser und Strom für mich an.

Die Lontzkedüne begräbt die Landschaft unter sich. Widerstand ist zwecklos.

Etappe von Osetnik nach Dębki

Diese 30 Kilometer lange Etappe nach Dębki führt zu Beginn am Leuchtturm Stilo vorbei, durch den Kiefernwald entlang der Ostseeküste. Im weiteren Verlauf kommt man durch einige Ortschaften, in denen man sich bald mit Proviant versorgen sollte, denn so viele Möglichkeiten gibt es dazu auf dieser Strecke nicht. Erst in Dębki gibt es wieder zwei größere Lebensmittelgeschäfte.
Im Mai waren alle Campingplätze in Dębki noch geschlossen. Die Betreiber, von denen ich zwei bei den Saisonvorbereitungen antraf, wollten sich nicht überreden lassen mich trotzdem auf den Platz zu lassen. Obwohl der Ort im Grunde nur aus Hotels, Pensionen und Campingplätzen besteht, war es nicht leicht eine Herberge zu finden. Schließlich habe ich mit Hilfe einiger Anwohner ein Hotel gefunden, welches bereits geöffnet war. Diese Nacht im Dębki Playa kostete etwa 50€.

Dieser Stein markiert die, durch den Friedensvertrag von Versailles festgelegte, ehemalige Grenze Polens.

Etappe von Dębki nach Ostrowo

Da im Hotel die Kartenzahlungsmaschine kaputt war, ließ ich meine letzten Scheine dort und benötigte dringend Bargeld. Der nächste Geldautomat steht in Krokowa, was sich etwas im Inland befindet. Der E9 führt praktisch direkt daran vorbei, aber eigentlich wollte ich diesen Schlenker etwas abkürzen, um weiter entlang der Küste zu wandern. Der Weg nach Krokowa ist nicht sehr schön. Schotterstraße, zumindest mit wenig Verkehr.
In Krokowa steht das Schloss Krokowa (Zamek w Krokowej), das über eine sehr gute Küche verfügt. Dort kann man das ganze Geld, das man kurz vorher aus dem Automaten gezogen hat, in Apfelkuchen umtauschen.
Da ich keine Hoffnung hatte in Ostrowo einen geöffneten Campingplatz zu finden, beendete ich diese Etappe nach 22 Kilometern kurz vor Ostrowo und stellte mein Zelt abseits des Weges vor eine einsame Hütte, in der im Sommer wohl Saisonarbeiter untergebracht werden.

Das Landesinnere ist landwirtschaftlich geprägt.

Etappe von Ostrowo nach Chałupy

Eine Variante des E9 führt nach Süden entlang der Südküste der Danziger Bucht. Eine andere Ausschilderung führt über die Halbinsel Hel und endet am Pier in Jurata. Ich habe mich für die zweite Option entschieden.
Nach einem Frühstück in Ostrowo folgt man dem Weg, vorbei am Hafen Władysławowo auf die Halbinsel. Diese Region ist bei Windsurfern sehr beliebt und so reiht sich eine Surfschule mit angeschlossenem Campingplatz an die andere. Auf der schmalen Landbrücke führt der Wanderweg hinter den Dünen, auf sandigen Wegen gen Osten. Kurz vor Chałupy schlug ich nach etwa 25 Kilometern mein Lager auf dem Campingplatz Polaris auf.

In Władysławowo steht diese Tupolev Tu-134A aufgebockt auf einer Wiese.

Etappe von Chałupy nach Hel

Dies ist die letzte Etappe bevor man mit der Fähre zur Dreistadt übersetzt. Es geht immer geradeaus auf dem Wanderweg bis nach Jurata. Dort endet der Wanderweg am Pier. In der Vorsaison gibt es aber nur Schiffe ab Hel. Also muss man noch etwa 12 Kilometer der Straße folgen und beendet den Tag nach etwa 35 Kilometern in Hel, wo es viele Hotels und einige Campingplätze gibt. Vieles hatte noch geschlossen, aber eine Passantin empfahl mir die Villa Duna. Das kleine Hotel liegt direkt am Hafen und ich buchte mich dort für etwa 50€ ein.
Tickets für die Fähre eines privaten Anbieters werden ungefähr ab 13:00 Uhr und ungefähr 30 Minuten lang verkauft. Der Stand befindet sich am Ende das Piers. Wer nicht fragt oder zufällig darauf stößt, findet ihn vielleicht nicht. Die Fähre fährt einmal am Tag. Im Hochsommer manchmal öfter, so ganz genau konnte mir das niemand erklären. In der Hauptsaison überqueren auch sogenannte Wassertrams die Bucht. Diese Fahrten sind günstiger und von den Verkehrsbetrieben organisiert.

Ein Blick in die Danziger Bucht.

Die Abreise von Danzig nach Berlin

Am Bahnhof in Danzig steht ein Fahrkartenautomat, der auf Deutsch bedient werden kann. Dort werden nach der Eingabe des Ziels Szczecin alle möglichen Verbindungen und deren Preise angezeigt. In Szczecin habe ich das Ticket nach Berlin am Schalter gekauft, weil man dort ein Ticket bekommt, das bis zur jeder Station im Tarifgebiet AB gültig ist und nicht nur bis zum Hauptbahnhof.
Man merkt sofort, dass man wieder in einem Zug der DB sitzt, denn es gibt ab Szczecin kein WLAN mehr in den Zügen. Die Grenze zu Deutschland hat man überquert sobald das Mobilfunknetz nicht mehr ausreichend Bandbreite bereitstellt um E-Mails abzurufen …